Patchwork – Eine kleine Geschichte

Patchwork (engl. patch für Flicken) oder auch Flickentechnik ist eine Form der Handarbeit, bei der verschiedene Stücke Stoff zu einem größeren Werkstück zusammengenäht werden.
Dieses größere Werkstück basiert üblicherweise auf sich wiederholenden Mustern, aufgebaut durch unterschiedliche Stoffformen, -farben und -arten. Diese Formen werden sorgfältig ausgemessen und zugeschnitten. Vielfach werden geometrische Formen verwendet, welche das Zusammennähen vereinfachen.

Verwendung

Patchwork wird häufig zur Herstellung eines Quilts verwendet, jedoch können mit dieser Technik Taschen , Wandbehänge, warme Jacken, Kissenbezüge, Röcke, Westen und andere

Dinge gefertigt werden. zu allen diesen themen bietet Patchwork Life die passenden Kurse unter erfahrener Anleitung an.
Viele Textilkünstler arbeiten mit Patchwork, oft kombiniert mit Stickarbeiten oder anderen Ausschmückungen.

Wird ein Quilt hergestellt, so wird diese größere Patchwork oder zusammengesetzte Design zur obersten Schicht eines dreilagigen Quilts, die mittlere Schicht besteht aus einem Vlies und die untere Schicht aus einem Rückenseitenstoff. Um ein Verschieben des Vlieses zu verhindern, wird das Patchwork-Werkstück entweder mit der Hand oder der Nähmaschine in einem fortlaufenden Muster zusammengenäht (gequiltet). Dadurch werden bestehende Formen hervorgehoben oder sogar die Stiche in anderen individuellen Mustern im Kontrast zur Patchwork-Komposition gesetzt.

Geschichte

Belege für Patchworkarbeiten und -Muster finden sich durchwegs in der Geschichte. Die ersten Beispiele stammen aus der Frühzeit Chinas vor 5000 Jahren uind dem alten Ägypten.  Das bislang älteste bekannte Stück ist ein Bahrtuch, das 1000 v. Chr. in Ägypten aus der Haut von Gazellen gefertigt und in einem Grabmal gefunden wurde. Weitere Funde sind datiert auf das frühe Mittelalter, wo Schichten gequilteter Stoffe in der Rüstungsherstellung Verwendung fanden – diese hielten die Soldaten warm und geschützt. Japanische Rüstungen wurden in einem ähnlichen Stil gefertigt. Aus dem Mittelmeerraum stammend verbreitete sich bedingt durch die Kreuzzüge die textile Technik in Europa vom 11. bis zum 13. Jahrhundert. Als sich das Klima in Europa zu dieser Zeit abkühlte, fanden Quilts als Bettdecken eine immer häufigere Verwendung  und so entwickelte sich die Praxis, einen einfachen Stoff durch die Kreation von Mustern und Designs in Verbindung mit dekorativem Quilting zu verschönern.
Die Tradition dieser Art der Quiltherstellung wurde durch die Pilgerväter nach Amerika gebracht. Besonders sind hier die Kultur der Amischen zu nennen.

Amerikaner

Patchwork erlebte während der Großen Depression eine breitgefächerte Neubelebung als ein Weg, getragene Kleidung in warme Quilts zu recyclen.
Selbst kleine und getragene Materialstücke sind brauchbar, um in einem Patchwork Verwendung zu finden, obwohl die PatchworkerInnen oft neue Stoffe aus 100 % Baumwolle als Basis für ihre Designs verwenden. In Amerika verblasste Patchwork nach dem 2. Weltkrieg, nur um zur 200 Jahr-Feier der Vereinigten Staaten Mitte der Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wieder neu entdeckt zu werden. In der Vergangenheit wurde das Handquilten oft in einer Gruppe um einen gespannten Rahmen praktiziert. Durch diese Art des gemeinschaftlichen Quiltens haben sich auch heutzutage die amischen Frauen spezialisiert, welche durch ihre kunstvollen Arbeiten zu Weltberühmtheit gelangten. Als Alternative zum Quilten wurden die Schichten manchmal in regelmässigen Abständen mit Garn verknüpft, einer Praxis bekannt als Tying (Festbinden) oder Knotting (Verknoten), um eine Steppdecke herzustellen.

Popularität

Eine 2003 in Amerika durchgeführte Studie zum Thema Quilting schätzte den gesamtumsatz der amerikanischen Quilting-Industrie auf 2,7 Milliarden US-Dollar. Internationale Quilting-Ausstellungen verbuchen Tausende von Besuchern, während zahlose kleinere Ausstellungen jedes Wochenende in lokalen Regionen abgehalten werden. Das Internet wimmelt von virtuellen Quilting-Communities, Bücher und magazine werden jährlich zu Hunderten veröffentlicht und es gibt eine große Anzahl aktiver lokaler Quilting-Gilden und Fachgeschäfte wie zum Beispiel Patchwork Life. „Quilt Kunst“ (Quilt Art) hat sich als legitimes künstlerisches Medium etabliert, gequiltete Kunstwerke werden zu Preisen von mehreren Tausend US-Dollar an Firmen und Gallerien verkauft. Quilt-Historiker und -Sachverständige untersuchen das traditionelle Quilting und antike Quilts, während hervorrande Beispiele antiker Quilts für hohe Summen von Sammlern und Museen erworben werden. Die „American Quilt Study Group“ beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte des Quiltens.

Asien

In Indien wurde das Zusammenfügen verschiedener kleiner Stücke getragener Kleidung zu einer Decke zur Kunstform erhoben. Diese Technik ist in Karnataka weithin als Kaudhi bekannt. Solche Decken werden in einigen Gegenden Karnatakas oft an neugeborene Babys verschenkt. Die Lambani-Stämme tragen Röcke dieser Art.

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