Müssen Patchworkstoffe vorgewaschen werden?

Die große Gretchenfrage des Patchwork und Quiltings ist die Debatte, ob man seine Stoffe vorwaschen oder eher darauf verzichten soll.
Es existieren eine Menge Meinungen und Ratschläge zu dieser Thematik, wir wollen hier an dieser Stelle einmal Licht ins Dunkel bringen, uns von einigen Mythen trennen und euch aufzeigen, wann und ob sich eine Vorwäsche lohnt.

Kontraargumente:
– Der Zeitfaktor.
– Der schöne Glanz der Stoffe verschwindet.
– Das Werkstück soll ohnehin niemals gewaschen werden.

Proargumente:
+ Das fertige Werkstück kann später besser gepflegt werden.
+ Im Stoff enthaltene überflüssige Farben bluten gezielt aus. Stoffe, welche mangels Versiegelung permanent Farbe verlieren, können bereits im Vorfeld aussortiert werden. Dasselbe gilt für Stoffe, welche sich durch eine ungleichmässige Verarbeitung verziehen können.
+ Baumwollstoffe können aus materialbedingten Gründen bis zu 7 % einlaufen.
+ Bereits gespannte Muster können sich wieder zusammenziehen.
+ Die Stoffe laufen am Werkstück nicht mehr ein, sprich der Quilt verzieht sich nicht bei der ersten Wäsche.

Wir sehen also, dass uns die Vorwäsche vor einigen Enttäuschungen der ersten Wäsche bewahren kann.

Wann kann auf eine Vorwäsche verzichtet werden?
Ist der Stoff nicht stark appretiert (von frz. apprêt „Ausrüstung, Zurichtung“) worden bzw. soll das fertige Werkstück nicht gewaschen werden, kann auf die Vorwäsche verzichtet werden.

Wann lohnt sich eine Vorwäsche nicht?
Sofern der Stoff nicht durch eine veredelnde Behandlung stark appretiert wurde und auch das fertige Werkstück nicht für eine Wäsche vorgesehen ist, kann auf die Vorwäsche verzichtet werden.
Oftmals weisen die Hersteller weisen auf eine grundsätzliche Vorwäsche der Stoffe hin, da sie keine Gewährleistung für spätere unerwünschtes Verfärben, Ausbluten oder Verziehen der Stoffe  geben.

Wieviel Zeit muss für eine Vorwäsche eingeplant werden?
Die Vorwäsche selbst (auch von größeren Stofflängen) erfolgt leicht in weniger als 15 Minuten. Für den trocknungsvorgang muss erheblich mehr zeit eingerechnet werden, hilfreich und zeitsparend ist hier ein  Wäschetrockner.

Verschwindet der Glanz der Stoffe?
Die Art und Intensivität der Veredelungen variieren von Stoffhersteller zu Stoffhersteller. Qualität zahlt sich hier aus, ein hochwertiger Patchworkstoff wird bei einer korrekt durchgeführten Vorwäsche nichts bzw. nur wenig an Glanz einbüssen. Die meisten namhaften Hersteller von Patchworkstoffen veredeln in einem geringen Maße.

Sollten Dekobaumwollstoffe zur Verwendung kommen, ist mit dicken Appreturschichten zu rechnen. In diesem Fall muss eine Vorwäsche dringend erfolgen, um diese Schichten zu entfernen. Ohne Vorwäsche sollten diese Stoffe nicht in dauerhaften Kontakt mit der Haut kommen oder gar in Quilts für Kinder zur Verwendung kommen, da diese Veredelungen Ausschläge verursachen und sogar auf Kreislauf, Magen und Darm schlagen können.
Stark appretierte Stoffe fühlen sich steif an und haben eine stark glänzende Oberfläche, oftmals knistern sie auch in den Händen.

Wie verhält es sich mit überschüssigen Farben und stark ausblutenden Stoffen?
Durch die Vorwäsche werden überschüssige Farbpigmente gebunden und ausgeschwemmt. Dies kann auch bei den Produkten der besten Patchworkstoffherstellern notwendig sein. Hier kommen hochkonzentrierte Quiltwaschmittel zur Verwendung.
Bei der Vorwäsche gehen die losen Farbmoleküle in das Waschwasser über. Dabei kann es vorkommen, dass selbst schwarzes Fahnentuch nach der Vorwäsche grau ist. Bei der Vorwäsche von qualitativ hochwertigen Stoffen verfärbt sich das Wasser nur marginal. Es lohnt sich daher immer, die Stoffe in einem Fachgeschäft und nicht auf preiswerten Stoffmärkten zu kaufen.

Welches Waschmittel eignet sich für die Vorwäsche?
Ausgewiesene Quiltwaschmittel fangen freie Farbmoleküle ein und binden diese. Als Bespiel dienen hier die Produkte Soak und Bubble Jet Rinse. Diese Waschmittel wirken wie besonders starke Color-Waschmittel, die Farben werden geschützt und verschweißen die Farbmoleküle an der Stoffoberfläche miteinander. Die ins Wasser übergehenden Farbmoleküle werden eingefangen und fest umschlossen. So können sich diese Moleküle nicht mehr auf andere Stoffe setzen und dort verankern. Auf diese Art können lassen sich viele Farben in einem Arbeitsgang vorgewaschen. Quiltwaschmittel können Appreturen und Wachse (z. B. bei Batiks) entfernen und die Stoffe geschmeidiger und griffiger machen.

Wieso erfolgt die Vorwäsche nicht schon durch den Hersteller?
Viele Stoffe werden bereits im Werk von den Herstellern gewaschen, um überschüssige Farben zu entfernen. Diese können jedoch während des Waschvorgangs unter die Mindestbreite von 44 inch schrumpfen und werden dann auf den Ballen gestreckt, bis sie erneut das Maß erfüllen. Sollte ein Stoffmuster oder ein Panel verzogen sein, kann durch das Einlegen in warmes bis heißes Wasser zur Vorwäsche Abhilfe geschaffen werden.

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